Materialwissen
Furniersorten und Lieferformen
Furnier ist nicht gleich Furnier. Welches Format, welche Staerke und welcher Rohlingszustand eingekauft werden, entscheidet ueber Schnittverhalten, Planheit, Klebekompatibilitaet und letztlich ueber Fugenqualitaet. Wer das falsche Format kauft, kauft Probleme fuer jeden nachfolgenden Schritt.
Wie Furnier geliefert wird
Furnier ist auf dem Markt in sehr unterschiedlichen Formen erhaeltlich. Die gaengigsten sind Furnierboegen, Furnierrolle, Kantenband und gebundelte Blattpakete. Jedes Format hat einen spezifischen Anwendungsbereich. Fuer handwerkliche Furnierarbeit und geometrische Intarsia ist nicht jedes Format gleichermassen geeignet, und die Unterschiede sind nicht immer in der Produktbezeichnung erkennbar.
Das Format bestimmt, wie das Furnier gelagert, zugeschnitten und verarbeitet wird. Ein Format, das fuer den Moebelbau geeignet ist, kann fuer praezises Freischneiden mit einem Skalpell ungeeignet sein. Ein Format, das fuer grosse Flaechen ausgelegt ist, kann fuer kleine geometrische Objekte ineffizient oder sogar problematisch sein. Wer das richtige Format waehlt, arbeitet einfacher, praeziser und mit weniger Materialverlust.
Furnierboegen
Furnierboegen sind die primaere Lieferform fuer handwerkliche Furnierarbeit. Sie werden flach zugeschnitten und in Bogenstapeln geliefert, die aus einem einzelnen Stammsegment gewonnen werden. Typische Bogengroessen bewegen sich je nach Holzart und Schnittmethode zwischen 15 und 40 Zentimeter Breite und 60 bis 120 Zentimeter Laenge. Exotische Hoelzer mit schmalem Wuchs wie Wenge liefern oft schmalere Boegen als breitwuechsige Holzarten.
Furnierboegen aus demselben Schnittpaket sind nummeriert und folgen in ihrer Maserung sequenziell aufeinander. Benachbarte Boegen teilen nahezu identische Farbtemperatur, Maserungsdichte und Porenanordnung. Das macht sie fuer Kompositionsmuster aus mehreren Teilen derselben Holzart ideal, weil konsistente Optik ueber den gesamten Musterzusammenhang erreichbar ist.
Fuer geometrische Intarsia sind Furnierboegen das richtige Format. Sie liegen flach, haben keine Rollkruemmung und koennen ohne Vorbehandlung auf die Werkstattunterlage gelegt werden. Praezisions-Freihandschnitt, Laserbearbeitung und CNC-Workflow setzen alle voraus, dass das Furnier plan aufliegt.
Furnierrolle
Furnierrolle ist meist sehr duennes Material, das auf Rollen aufgezogen und fuer maschinelle Verarbeitung oder grosse Klebeflaechen ausgelegt ist. Es ist haeufig mit einem Vlies- oder Papierruecken versehen, um die Handhabung des duennen Furniers zu erleichtern und ein Aufreissen beim Abrollen zu verhindern.
Fuer Intarsia ist Furnierrolle in aller Regel ungeeignet. Der Hauptgrund ist die Rollkruemmung: Abgerolltes Material tendiert dazu, sich zurueckzurollen, und liegt nicht sauber plan auf. Auch nach dem Beschweren oder Pressen bleibt eine Tendenz zur Kruemmung. Fuer praezises Schneiden und plane Montage ist eine stabile Ausgangslage unabdingbar. Ein Furnierteil, das waehrend des Schneidens wegkruemmt, erzeugt ungenaue Kanten.
Der Ruecken aus Vlies oder Papier, der bei Rollenware haeufig vorkommt, ist ein weiterer Nachteil. Er interferiert mit dem Leimverbund an der Fugenflaeche und kann die Fugentiefe beeinflussen. Wer Rollenware kauft, kauft oft ein Format, das fuer Moebelbeschichtung optimiert ist, nicht fuer handwerkliche Intarsia.
Kantenband
Kantenband ist ein schmaler Furnierstreifen mit aufgebrachtem Schmelzkleber, der fuer die maschinelle Bekantung von Platten und Moebeln entwickelt wurde. Breiten von 19 bis 50 Millimetern sind ueblich. Das Material wird per Buegeleisen oder Kantenanleimmaschine auf Plattenkanten aufgebracht, der Kleber schmilzt unter Waerme und verbindet sich mit der Traegerkante.
Fuer Intarsia ist Kantenband nicht geeignet. Der Schmelzkleber auf der Rueckseite macht praezises Freischneiden schwierig, weil das Material bei Erwaermung durch die Schneidreibung klebt oder reisst. Die Breite reicht fuer groessere Musterbereiche nicht aus. Maserungskontinuitaet ueber mehrere Schnitte hinweg ist nicht gegeben. Kantenband ist ein Industrieprodukt mit einem definierten Einsatzbereich, der nichts mit geometrischer Intarsia zu tun hat.
Einsteiger kaufen gelegentlich Kantenband, weil es als guenstiges Furnier vermarktet wird und in Baumärkten leicht erhaeltlich ist. Das Ergebnis sind schlechte Schnittkanten, aufbrechendes Material an Winkeln und Klebeprobleme beim Verpressen. Wer serioes Intarsia arbeiten will, bezieht Furnierboegen direkt bei Furnierhaendlern.
Bunde und Bogenpakete
Ein Furnierpaket oder Bund ist eine Gruppe von Furnierboegen, die aus aufeinanderfolgenden Lagen desselben Stammsegments gewonnen und gemeinsam verpackt wurden. Boegen innerhalb eines Bunds sind nummeriert. Die Nummer zeigt die relative Position im Stamm: Bogen eins und Bogen zwei sind benachbarte Lagen, Bogen eins und Bogen dreissig koennen sichtbar unterschiedlich sein.
Fuer Intarsia-Kompositionen, die eine Holzart in mehreren Feldern verwenden, ist die Wahl aus demselben Bund entscheidend. Zwei Boegen derselben Holzart aus verschiedenen Bunden koennen in Farbtemperatur, Maserungsdichte und Reflexionsverhalten spuerbar abweichen. Besonders deutlich ist das bei Nussbaum, dessen Grundfarbe von cremig-beige bis dunkelbraun variieren kann, und bei Esche, deren Farbton zwischen fast weiss und gelblich-braun liegt.
Beim Kauf von Furnierboegen sollte die Bundnummer oder zumindest der Lieferzeitpunkt dokumentiert werden. Wenn spaeter Ersatzmaterial fuer Nacharbeiten oder fuer weitere Einheiten desselben Objekts benoetigt wird, ist ein konsistenter Bezug aus demselben Bund oder aus einer gleichwertigen Charge einfacher, wenn die Ausgangsdaten vorhanden sind.
Rohfurnier und Rueckenfurnier
Rohfurnier ist reines Holz ohne Beschichtung oder Kaschierung auf der Rueckseite. Es wird direkt aus dem Stamm gewonnen und in dieser Form geliefert. Rueckenfurnier hat eine aufgebrachte Schicht aus Papier, Vlies oder Phenolharz, die die Handhabung erleichtert und Rissneigung reduziert.
Fuer geometrische Intarsia ist Rohfurnier fast immer die richtige Wahl. Der Leimverbund an der Fugenflaeche ist direkter, weil kein Rueckenmaterial den Kontakt zwischen Holzfasern und Leim unterbricht. Die Schnittqualitaet an Winkeln und engen Kurven ist besser, weil kein Kaschierungsmaterial mitgeschnitten werden muss, das unterschiedliches Schneidverhalten hat als das Holz selbst. Rohfurniere aus hochwertigen Lieferquellen sind dicker und stabiler als die duennen Rueckenfurniere, die fuer einfache Beschichtungen eingesetzt werden.
Rueckenfurnier hat einen legitimen Anwendungsbereich: Es ist einfacher zu handhaben fuer grosse Flaechen, weniger anfaellig fuer Einrisse beim Transport und laesst sich mit einem Buegeleisen temporaer fixieren. In der Intarsia entstehen dadurch aber Nachteile, die schwerer wiegen als die Handhabungsvorteile. Wer mit Rueckenfurnier arbeitet, muss die Fugentiefe und den Leimauftrag entsprechend anpassen.
Furnierstaerken und was sie bedeuten
Handelsueblche Rohfurniere fuer dekorative Holzarbeit bewegen sich typischerweise zwischen 0,5 und 1,2 Millimetern. Die gaengigsten Staerken im Intarsia-Bereich sind 0,6 Millimeter, 0,7 Millimeter und 0,9 Millimeter. Einige Lieferanten bieten auch 1,0 oder 1,2 Millimeter an, die bei Holzarten mit besonders starker Textur oder fuer manuelle Schnittverfahren bevorzugt werden.
Die Staerke beeinflusst vier Aspekte des Workflows: Schnittverhalten, Schleifspielraum, Fugengeometrie und Planheitsstabilitaet. Duenneres Furnier erlaubt feinere Linien beim Schneiden, bietet aber weniger Material fuer die Schleifphase. Staerkeres Furnier erlaubt mehr Schleifabtrag, hat aber eine groessere Fugenflaeche, die beim Verpressen vollstaendig verklebt werden muss. Fuer kleine Objekte wie THINK BIGGER-Stiftehalter ist eine einheitliche Staerke aller eingesetzten Furnierlagen besonders wichtig, weil Hoehenunterschiede zwischen Lagen direkt sichtbar werden.
Furniere aus verschiedenen Lieferquellen oder Holzarten haben nicht automatisch dieselbe Nennstaerke. Wer zwei Holzarten in einem Muster kombiniert, misst beide Lieferungen vor dem Schnitt nach. Eine Differenz von 0,2 Millimetern zwischen zwei Lagen erzeugt nach dem Verpressen eine Kantenhoehe, die beim Schleifen zusaetzlichen Abtrag verlangt und geometrische Schaerfe kostet.
Stabilitaet, Flexibilitaet und Rissrisiko
Sehr duennes Furnier unter 0,5 Millimetern ist flexibel. Das kann ein Vorteil sein, wenn geschwungene Formen beschichtet werden sollen. In geometrischer Intarsia mit vielen geraden Kanten und spitzen Winkeln ist Flexibilitaet eher ein Risiko: Ein flexibles Furnierteil liegt nicht plan auf der Unterlage und kann beim Schneiden wegkippen. An spitzen Winkeln, zum Beispiel unter dreissig Grad, reisst duennes Furnier beim Schneiden entlang der Faserrichtung, wenn der Schnittdruck die Risskraft uebersteigt.
Rissrisiko ist holzartenabhaengig. Wenge reisst laengs sehr leicht, weil seine Fasern grob und gerade sind und wenig Querfaserverbindung haben. Eiche reisst weniger, weil ihre grobe Porenstruktur Kraft in mehrere Richtungen ableitet. Duenne Wenge-Furniere unter 0,6 Millimetern sind in geometrischer Intarsia mit spitzen Winkeln und kleinen Feldern riskant. Wer mit Wenge arbeitet, waehlt eher 0,7 bis 0,9 Millimeter Staerke, um Risse an Winkelspitzen zu vermeiden.
Stabilitaet und Flexibilitaet sind auch lagerungsabhaengig. Gut gelagertes, auf Gleichgewichtsfeuchte stabilisiertes Furnier verhalt sich vorhersehbarer als frisch geliefertes Material, das sich noch an die Werkstattfeuchte anpasst. Vor der Verarbeitung wird empfohlen, Furniere einige Tage in der Werkstatt akklimatisieren zu lassen.
Lagerung von Furnierboegen
Furnierboegen werden flach gestapelt und mit einem gleichmaessigen Gewicht beschwert gelagert. Der Gewichtsdruck verhindert, dass einzelne Boegen nach oben oder unten waelzen. Eine Verwaelzung, die einige Wochen besteht, kann die Planheit nachhaltig kompromittieren: Das Furnier hat eine Formgedaechtnis-Tendenz, besonders wenn es trocken und sproede ist.
Direktes Sonnenlicht ausbleichen Furnier ungleichmaessig und macht es sproede. Ein abgedeckter Stapel auf einer ebenen Flaeche, abseits von Fenstern, ist eine zuverlaessige Lagerung. Starke Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht koennen Kondensation im Stapel erzeugen, die Schimmel foerdert. Bei ungeheizten Werkstaetten empfiehlt sich eine separate trockene Lagerbox, die die Temperatur und Feuchte stabiler haelt als der offene Werkstattraum.
Furniere, die laengere Zeit in Rollenform gelagert waren, lassen sich oft nicht mehr vollstaendig glaetten, ohne sie zu befeuchten und unter Gewicht zu pressen. Wer Furniere neu erwirbt und plant, sie erst in einigen Monaten zu verarbeiten, lagert sie von Anfang an flach, damit keine Rollkruemmung entsteht.
Welches Format fuer welchen Workflow
Die Wahl des Furnierformats ist keine abstrakte Entscheidung; sie haengt vom Workflow, der Objektgroesse und dem Schneidwerkzeug ab. Eine kurze Orientierung:
Geometrische Intarsia mit manuellen Schnitten
Flache Rohfurnierboegen, Staerke 0,6 bis 0,9 Millimeter, aus demselben Bund. Kein Rollenware, kein Rueckenfurnier, kein Kantenband. Maserungskonsistenz innerhalb jeder Holzart hat Prioritaet.
Kleine Schreibtischobjekte
Kleinere Bogenformate sind ausreichend und gehen sparsamer mit Material um. Bei kleinen Objekten koennen Reststuecke aus anderen Projekten verwendet werden, solange Staerke und Maserungscharakter passen. Staerkenmischung ist das groesste Risiko bei Reststueckarbeit.
Laser-Workflow
Laser arbeiten am besten mit duennerem Rohfurnier ohne Rueckenbeschichtung. Rueckenpapier verbrennt ungleichmaessig und hinterlaesst Rueckstaende auf der Schnittfuge. Phenolharzruecken verursacht beim Lasern gesundheitsschaedliche Daempfe. Fuer Laserarbeit gilt: ausschliesslich Rohfurnier, 0,5 bis 0,6 Millimeter Staerke, keine Beschichtung, keine Leimschicht.
CNC-Workflow
CNC-Fraeser koennen auch mit staerkerem Furnier (0,9 bis 1,2 Millimeter) arbeiten, koennen aber durch Saugspannung und Fraeservibrationen duennte Boegen heben. Flaches Aufspannen mit Vakuumtisch oder Klebefolie ist Voraussetzung. Rueckenfurnier kann die Fixierung erleichtern, interferiert aber weiterhin mit der Fugenqualitaet in der Montage.
Wandpaneele und groessere Flaechen
Groessere Bogenformate, buchgespiegelte Pakete und konsistente Bundwahl. Hier ist Farbkonsistenz ueber grosse Flaechen wichtiger als fuer kleine Objekte, bei denen der Betrachter einzelne Fugen beurteilt, nicht die Gesamtflaeche.
Wie Einsteiger haeufig das falsche Furnier kaufen
Die meisten Einkaufsfehler im Furnierbezug sind keine Unwissenheit ueber Holzarten, sondern ueber Lieferformen. Die haeufigsten Problemmuster:
Kantenband aus dem Baumarkt wird als guenstiger Einstieg in Furnierarbeit gekauft. Das Material ist zu schmal, hat Kleberuecken und laesst sich nicht praezise schneiden. Die ersten Arbeiten scheitern, und der Schluss ist oft falsch: Das Problem wird der Technik zugeschrieben, nicht dem Material.
Rollenware von Online-Plattformen wird bestellt, weil sie guenstig ist und grosse Mengen liefert. Nach dem Aufrollen zeigt sich die Kruemmung, die Teile liegen nicht plan und der erste Schnitt geht schief. Flachpressen in der Werkstatt ohne Feuchte- und Waermekontrolle laesst die Kruemmung nach dem Abpressen oft zurueckkehren.
Furnierboegen verschiedener Lieferungen werden gemischt. Zwei Boegen desselben Holztyps aus verschiedenen Quellen sehen im Lager aehnlich aus, aber im fertigen Muster unter Finish faellt die Farbtemperaturdifferenz sofort auf. Wer fuer ein spezifisches Projekt einkauft, kauft alles gleichzeitig aus einer Charge.
Zu duenns Furnier fuer eine Holzart mit grober Faserstruktur wie Wenge wird bestellt, weil es in der Materialliste duennes Furnier gibt. Die Teile reissen an Winkelspitzen und koennen nicht sauber montiert werden. Jede Holzart hat eine eigene minimale Arbeitsstaerke, die vom Schneidverfahren und den Winkelklassen des Musters abhaengt.
Maserungskonsistenz und Farbkonsistenz
Maserungskonsistenz beschreibt, wie gleichmaessig das Faserverlaufsbild eines Furniers ueber den Bogen hinweg ist. Ein Furnierbogen mit sehr gleichmaessiger, paralleler Maserung verhaelt sich beim Schneiden vorhersehbar und reflektiert Licht gleichmaessig. Ein Bogen mit stark geaest em, gewelltem oder unregelmassigem Maserungsbild hat an verschiedenen Stellen unterschiedliches Schneidverhalten und reflektiert Licht unterschiedlich, auch innerhalb desselben Musters.
Farbkonsistenz beschreibt, wie gleichmaessig die Grundfarbe des Furniers ueber den Bogen und zwischen Boegen eines Bundes ist. Natuerliche Farbabweichungen innerhalb des Holzes sind unvermeidbar. In der Intarsia sind geringe Farbabweichungen innerhalb einer Holzart akzeptabel, solange der Kontrast zwischen den verwendeten Holzarten dominiert. Sichtbar wird ein Problem erst, wenn Farbabweichungen innerhalb einer Holzart so gross sind, dass einzelne Felder des Musters heller oder dunkler als ihre Nachbarfelder derselben Holzart erscheinen.
Diese Farbkontrolle erfolgt am besten vor dem Schneiden: Furnierboegen werden unter Werkstattlicht nebeneinandergelegt und auf Konsistenz geprueft. Dieser Schritt kostet fuenf Minuten und kann spaetere Korrekturen ersparen, die nach dem Pressen nicht mehr moeglich sind.
How Reihax Selects Veneer
Reihax bezieht Furnierboegen ausschliesslich als flache Rohfurnierbogen, kein Kantenband, keine Rollenware, keine Rueckenbeschichtung. Jede Holzart kommt aus einem dedizierten Furnierlieferanten mit dokumentierter Bundherkunft. Wenn eine Holzart fuer ein neues Produktionslos benoetigt wird, wird aus derselben Quelle bestellt, nicht aus dem naechstverfuegbaren Angebot.
Konsistenz hat Prioritaet vor Guenstigkeit. Ein guenstiger Furnierposten aus unklarer Herkunft, der in Farbe oder Maserungsdichte nicht zum vorhandenen Material passt, ist fuer eine Kleinserie wie THINK BIGGER unbrauchbar, weil die erste Einheit dann sichtbar anders aussieht als die zweite.
Auswahl fuer Kontrastverhalten bedeutet, vor dem Kauf zu pruefen, ob der Helligkeitskontrast des neuen Materials zu dem bereits vorhandenen passt. Ein neuer Wenge-Bogen, der deutlich heller ist als der bisherige, veraendert die Kontrastwirkung des gesamten Musters. Diese Pruefung erfolgt unter Werkstattlicht, nicht unter Photografenlicht, weil das Objekt unter Werkstattbedingungen betrachtet wird.
Fuer kleinskalige Praezisionsarbeit wird auf stabile Maserung ohne ausgepraegtes Fladerornament geachtet. Quartierschnitt-Furniere mit geradliniger Faser verhalten sich beim Schneiden vorhersehbarer und erzeugen weniger Reflexionsvarianz auf kleinen Feldern. Bei den Furnierarten und Schnitten sind das die Kriterien, nach denen fuer geometrische Kleinstobjekte selektiert wird.
Rissempfindliche Holzarten wie Wenge werden in einer Mindeststaerke von 0,7 Millimetern bezogen. Unter dieser Grenze sind Winkelspitzen unter dreissig Grad zu riskant. Helle Holzarten wie Esche und Eiche koennen bei 0,6 Millimetern noch gut verarbeitet werden, weil ihre Faserstruktur querfaserbestaendiger ist.
Veneer Sourcing Photography System
Die Fotos dieser Seite sollen Lieferformate, Materialqualitaet und Auswahlkriterien dokumentieren. Sie muessen das Furnier als ernsthaftes Werkstattmaterial zeigen, nicht als dekoratives Produkt. Keine Lifestyle-Bildsprache, keine kuenstlichen Arrangements.
- Flat-lay veneer photography: Furnierboegen von oben, auf einer ebenen matte Untergruund, ohne Schatten, der die Maserung verdeckt. Massstabsreferenz am Bildrand. Kamera senkrecht, Stativ oder Reproarm. Fuer Vergleichsaufnahmen mehrerer Boegen: alle Boegen unter identischer Beleuchtung und aus identischem Abstand fotografieren.
- Thickness comparison methods: Seitenansicht mit Messschieber oder Stahlmassstab. Kamera auf Hoehe der Furnierunterkante, Schieblehre sichtbar angelegt. Mehrere Staerken nebeneinander, alle auf derselben Flaeche stehend. Kein schraeger Winkel, der Staerken verzerrt.
- Reflected-light consistency: Flaches Seitenlicht ueber die Furnierflaeche, zehn bis zwanzig Grad. Reflexionsvarianz innerhalb eines Bogens und zwischen zwei Boegen sichtbar machen. Kamera auf Stativ, manuelle Belichtung fuer Vorher-Nachher-Konsistenz.
- Macro pore photography: Makroaufnahmen der Poren- und Faserstruktur verschiedener Holzarten. Ausschnitt maximal drei Zentimeter Breite. Seitenlicht, das die Porenoeffnungen als Schatten zeigt. Millimeter- massstab im Bild. Fuer Wenge, Nussbaum, Eiche und Esche je eine Aufnahme unter denselben Bedingungen, damit Porengroessen vergleichbar sind.
- Supplier comparison photography: Zwei Boegen derselben Holzart aus verschiedenen Lieferquellen, nebeneinander unter identischem Licht. Farbtemperaturdifferenz und Maserungscharakter muessen in einem Bild ablesbar sein. Keine Farbkorrektur, die den Unterschied egalisiert.
- Scale-reference guidance: Jede Aufnahme mit Stahlmassstab am Bildrand. Fuer Makroaufnahmen Millimetermassstab direkt neben dem Motivbereich. Bogengroessen-Aufnahmen mit einem bekannten Referenzobjekt (zum Beispiel einem DIN-A4-Blatt) als Groessenanker.
- White balance consistency: Fuer alle Furniervergleichs- aufnahmen denselben Weissabgleich verwenden. Kein Auto-Weissabgleich, der pro Aufnahme korrigiert. Manuelle Einstellung auf Tageslichttempteratur 5500 K oder Graukarte. Ohne konsistenten Weissabgleich sind Farbvergleiche zwischen Boegen wertlos.
- Bundle comparison photography: Zwei bis drei Boegen aus demselben Bund aufgeklappt oder leicht versetzt ausgelegt, sodass Maserungskontinuitaet und Farbkonsistenz sichtbar sind. Boegen nummeriert, Nummern im Bild lesbar. Overhead-Position, diffuses Licht.
- Dateinamen: `knowledge-furnier-lieferformen-hero-01.webp`, `knowledge-furnier-lieferformen-rolle-01.webp`, `knowledge-furnier-lieferformen-kantenband-01.webp`, `knowledge-furnier-lieferformen-staerken-01.webp`, `knowledge-furnier-lieferformen-buchspiegel-01.webp`, `knowledge-furnier-lieferformen-stabilitaet-01.webp`, `knowledge-furnier-lieferformen-laser-01.webp`, `knowledge-furnier-lieferformen-vergleich-01.webp`.
Weiterfuehrende Fachseiten
Diese Bezugsseite verbindet Furniergrundlagen mit Materialwissen, Schnittpraxis und dem Reihax-Werkstattstandard:
- Was ist Furnier?
- Furnierarten und Schnitte fuer Intarsia
- Geometrische Muster planen fuer Intarsia
- Furnier-Muster skalieren fuer kleine Objekte
- Maserungsrichtung in der Intarsia
- Holzarten fuer Intarsia
- Wenge — Materialeigenschaften
- Eiche — Materialeigenschaften
- Nussbaum — Materialeigenschaften
- Esche — Materialeigenschaften
- Furnier schneiden und fuegen
- Intarsia entwerfen und Muster uebertragen
- Handgefertigte Stiftehalter aus Intarsia
- THINK BIGGER — Handgefertigter Intarsia-Stiftehalter
Haeufige Fragen
Was ist der Unterschied zwischen Rohfurnier und Rueckenfurnier?
Rohfurnier ist reines Holz ohne Beschichtung auf der Rueckseite. Rueckenfurnier hat eine aufkaschierte Lage aus Papier, Vlies oder Phenolharz, die das Furnier stabilisiert und das Handling vereinfacht. Fuer Intarsia ist Rohfurnier die richtige Wahl: Das Traegematerial verbindet sich direkt mit dem Leim, die Fugen werden dichter und die Schnittqualitaet an der Kante ist besser kontrollierbar. Rueckenmaterial kann Fugen verbreitern und den Leimverbund schwaerchen.
Welche Furnierstaerke eignet sich fuer geometrische Intarsia?
Fuer geometrische Intarsia mit vielen Winkelschnitten und engen Formen gilt eine Staerke von 0,6 bis 0,9 mm als guter Arbeitsbereich. Zu duennes Furnier unter 0,5 mm reisst leicht an spitzen Winkeln und erfordert extremen Schleifaufwand. Zu starkes Furnier ueber 1,2 mm ist schwerer praezise zu schneiden und braucht mehr Anpassung in der Fugenplanung. Wichtiger als die absolute Staerke ist die Gleichmaessigkeit aller eingesetzten Lagen innerhalb eines Projekts.
Kann man Kantenband fuer Intarsia verwenden?
Nein. Kantenband ist fuer die maschinelle Beschichtung von Moebel- und Plattenkanten konzipiert. Es ist meist schmaeler als 50 Millimeter, hat einen Schmelzkleberruecken, wird industriell appliziert und ist nicht fuer praezises Freihandschneiden ausgelegt. In der Intarsia fehlen die Bogengroesse, die Schneidbarkeit ohne Kleberuecken und die Maserungskontinuitaet, die saubere Fugenmontage verlangt.
Warum sollte man Furniere aus demselben Bund kaufen?
Furnierboegen aus demselben Bund stammen aus aufeinanderfolgenden Lagen desselben Stammsegments. Sie haben nahezu identische Farbtemperatur, Maserungsdichte und Porenstruktur. Boegen aus verschiedenen Bundlieferungen, auch derselben Holzart, koennen sichtbar unterschiedlich wirken, weil Schnittposition, Trocknungsbedingungen und Lagerzeit abweichen. Fuer eine mehrteilige Intarsia-Komposition sind Boegen aus demselben Bund die zuverlassigste Grundlage fuer Farbkonsistenz.
Wie lagert man Furnierboegen richtig?
Furnierboegen werden flach gestapelt und mit gleichmaessigem Gewicht beschwert gelagert, um Verzug zu verhindern. Die Lagerung soll vor direkter Sonneneinstrahlung, starken Temperaturschwankungen und zu trockener Luft schuetzen. Zu trockene Lagerung macht Furniere sproede und rissanfaellig, zu feuchte Lagerung foerdert Schimmel und erzeugt Quellspannungen. Eine Raumfeuchte um 50 Prozent bei stabiler Temperatur ist ein guter Ausgangswert.