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Intarsia Wissen

Geschichte der Intarsia

Holz in Holz einzulegen ist eine sehr alte Technik, und sie hat sich in zwei Richtungen entwickelt: als geometrisches Muster aus vielen kleinen Teilen und als Bild aus Holz. Diese Seite folgt beiden Linien, von den Einlagen der Antike über die Renaissance in Italien und die Kunstschränke in Augsburg und Eger bis zur Gegenwart, in der Laser und Messer nebeneinander arbeiten.

Eine kurze Zeitleiste der Intarsia: geometrische Einlagen von der Antike über Taracea, Certosina und Yosegi, bildhafte Intarsia von Urbino über Augsburg, Eger, Boulle und Roentgen. Eine Auswahl, keine vollständige Geschichte.

Woher das Wort kommt

Intarsia kommt aus dem Italienischen: intarsio, von intarsiare, einlegen. Das italienische Wort wird meist auf das arabische tarṣīʿ zurückgeführt, das Einlegen oder Besetzen bedeutet. Dieselbe Wurzel steckt im spanischen taracea, dem Wort für die Einlegearbeiten des maurischen Spanien. Schon das Wort erzählt damit, dass die Technik über das Mittelmeer gewandert ist.

Was die Begriffe heute unterscheidet, also Intarsie, Marqueterie und Einlegearbeit, beschreibt die Seite Intarsia, Marqueterie und Einlegearbeit. Für die Geschichte ist eine grobe Unterscheidung genug: Früher wurde oft in Massivholz eingelegt, seit dem 17. Jahrhundert setzt sich das Furnier durch, das als dünne Schicht auf einen Träger geleimt wird.

Anfänge: Einlagen in Antike und Mittelalter

Eingelegte Möbel gab es schon im alten Ägypten. Truhen und Kästen aus den Gräbern zeigen Muster aus dunklem Ebenholz und hellem Elfenbein, also genau den Hell-Dunkel-Kontrast, von dem Intarsia bis heute lebt. Auch die Römer kannten Einlegearbeiten, in Holz ebenso wie in Stein.

In der islamischen Welt wurde die Einlegearbeit zu einer Kunst der Geometrie. In Granada, im Reich der Nasriden, entstanden zwischen dem 13. und 15. Jahrhundert Türen, Decken und Truhen mit Taracea: Sternen, Bändern und Flechtmustern aus Holz, Bein und Metall, aus vielen kleinen, genau geschnittenen Teilen. Diese Tradition lebt in Granada bis heute in Werkstätten weiter.

Certosina und Tarsia a toppo

In Norditalien, vor allem in der Lombardei und im Veneto, entstand im 14. und 15. Jahrhundert die Certosina. Dabei werden winzige Vielecke aus Holz, Bein oder Elfenbein zu geometrischen Mustern zusammengesetzt, Sternen und Rauten, oft auf Kästchen, Rahmen und Möbeln. Der Name wird mit der Kartause von Pavia in Verbindung gebracht, der Certosa, deren Ausstattung solche Arbeiten zeigt.

Eine verwandte Technik, die tarsia a toppo, nutzt einen Kunstgriff, der bis heute geometrische Arbeit prägt: Stäbe aus verschiedenen Hölzern werden zu einem Block mit Muster im Querschnitt verleimt, und von diesem Block schneidet man dünne Scheiben ab. Jede Scheibe trägt dasselbe Muster. Wer viele gleiche Teile braucht, löst die Aufgabe so am Block statt am einzelnen Stück, ein Gedanke, der in der heutigen Schablonenarbeit wiederkehrt.

Renaissance: Bilder aus Holz

Im Italien des 15. Jahrhunderts wurde die Holzintarsie zur Bildkunst. Für Chorgestühle und Sakristeien entstanden Tafeln mit Stadtansichten, Heiligen und Stillleben, deren Tiefe allein aus der Wahl und Anordnung der Hölzer kommt. Die Intarsienkünstler arbeiteten mit derselben neuen Zentralperspektive wie die Maler, und manche Entwürfe stammen von Malern und Architekten.

Die berühmtesten Beispiele sind die Studierzimmer des Federico da Montefeltro. Das Studiolo in Urbino wurde um 1476 vollendet und ist dort bis heute erhalten. Das Studiolo aus seinem Palast in Gubbio, um 1478 bis 1482 entstanden, steht heute im Metropolitan Museum in New York. In beiden Räumen zeigen die Wände halb geöffnete Schränke mit Büchern, Instrumenten und Waffen, so genau eingelegt, dass der Raum größer wirkt, als er ist.

Aus dieser Zeit stammt auch eine Erkenntnis, die jede Intarsia betrifft: Licht und Schatten entstehen aus dem Holz selbst. Wo die natürlichen Farben nicht reichten, wurden Teile in heißem Sand angesengt oder gefärbt. Wie Hell und Dunkel heute geplant werden, beschreibt die Seite Kontrast und Farbtemperatur.

Augsburg und Eger: die Kunstschränke

Im 16. Jahrhundert wurde Süddeutschland zu einem Zentrum der Intarsie. Augsburger Kistler bauten Kabinettschränke, deren Flächen mit eingelegten Ruinen, Architekturen und Landschaften bedeckt sind. Das bekannteste Stück ist der Wrangelschrank von 1566. Er kam im Dreißigjährigen Krieg als Beute nach Schweden und steht heute im LWL-Museum für Kunst und Kultur in Münster.

Im 17. Jahrhundert entwickelte sich in Eger, dem heutigen Cheb in Böhmen, eine eigene Form: die Egerer Reliefintarsie. Die Bilder sind nicht nur eingelegt, sondern zum Teil geschnitzt und stehen leicht aus der Fläche hervor. Aus Eger stammen Kabinettschränke, Kästchen und Spielbretter für Fürsten, Adel und Geistlichkeit.

Boulle und Roentgen: Marqueterie als Möbelkunst

Im Frankreich Ludwigs XIV. wurde die furnierte Marqueterie zu einer eigenen Kunst. André-Charles Boulle legte Messing und Schildpatt ineinander: Er schnitt beide Materialien als Stapel gemeinsam aus und erhielt so zwei Fassungen desselben Musters, eine helle auf dunklem und eine dunkle auf hellem Grund. Das Prinzip, dass ein Schnitt Positiv und Negativ zugleich liefert, nutzt die Furnierarbeit bis heute.

Im 18. Jahrhundert führte die Werkstatt von Abraham und David Roentgen in Neuwied die Bildmarqueterie auf einen Höhepunkt. Statt Teile in heißem Sand zu schattieren, setzte David Roentgen Licht und Schatten aus sehr kleinen Stücken verschieden getönter Hölzer zusammen, oft nach Entwürfen des Malers Januarius Zick. Seine Möbel gingen an Höfe in ganz Europa.

Biedermeier, Yosegi und die Moderne

Im Biedermeier trat das Bild zurück. Möbel lebten von großen, ruhigen Furnierflächen, deren Maserung selbst das Ornament war; Einlagen beschränkten sich oft auf schmale Bänder und Adern. Diese Haltung, das Holz für sich sprechen zu lassen, ist bis heute ein Maßstab für Furnierarbeit.

Auf der anderen Seite der Welt entstand in der späten Edo-Zeit in Hakone in Japan das Yosegi-zaiku. Hölzer in vielen natürlichen Farben werden zu Stäben und Blöcken mit geometrischem Muster verleimt und in dünne Scheiben geschnitten, ganz ähnlich der italienischen tarsia a toppo. Die Muster aus Rauten, Sechsecken und Schuppen sind reine Geometrie aus ungefärbtem Holz.

Um 1900 belebte der Jugendstil die Bildmarqueterie neu, etwa bei Émile Gallé in Nancy mit Pflanzen und Inschriften aus Holz. In Wien entwarfen Künstler der Wiener Werkstätte Möbel mit streng geometrischen Einlagen. Im 20. Jahrhundert wurde Furnier zum Industriematerial; die handwerkliche Intarsie lebte in kleinen Werkstätten und Regionen weiter, etwa in Sorrent mit der Tarsia sorrentina.

Was die Geschichte für heutige Intarsia bedeutet

Heute entstehen die meisten Intarsien aus Furnier auf einem stabilen Träger, und neben Messer und Säge schneidet oft ein Laser. Die beiden historischen Linien sind dabei geblieben. Die geometrische Linie von Taracea, Certosina und Yosegi lebt von Wiederholung, Genauigkeit und klarem Hell-Dunkel. Die bildhafte Linie von Urbino bis Roentgen lebt davon, dass Holz Licht, Bewegung und Tiefe darstellen kann.

Die geometrische Linie heute: Reihax-Stifteboxen mit Schrift, Waben und Rauten aus eingelegtem Holz.

Foto: Reihax

Reihax arbeitet in beiden Linien. Die Stifteboxen wie THINK BIGGER und FOCUS stehen in der geometrischen Tradition, das Wandbild Flow mit seinen freien Bändern eher in der bildhaften. Gemeinsam ist ihnen, was schon die ägyptischen Truhen zeigten: Das Muster entsteht aus eingelegtem Holz und seinen natürlichen Farben, nicht aus Druck.

Flow Nr. 1 und Fracture: dieselben vier Hölzer, einmal freie Bewegung, einmal Geometrie ohne Raster.

Foto: Reihax

Häufige Fragen

Woher kommt das Wort Intarsia?

Aus dem Italienischen: intarsio, von intarsiare, einlegen. Das italienische Wort wird meist auf das arabische tarṣīʿ zurückgeführt, das Einlegen oder Besetzen bedeutet. Auch das spanische Wort taracea für die Einlegearbeiten aus dem maurischen Spanien geht auf dieselbe Wurzel zurück.

Wann war die Blütezeit der Intarsia?

Die bekannteste Blüte der Holzintarsie liegt im Italien des 15. Jahrhunderts. Damals entstanden Chorgestühle und Studierzimmer mit Holzbildern in Perspektive, etwa die Studioli des Federico da Montefeltro in Urbino und Gubbio. Weitere Höhepunkte folgten in Augsburg im 16., in Eger im 17. und in Frankreich und Neuwied im 17. und 18. Jahrhundert.

Was ist Certosina?

Certosina ist eine norditalienische Einlegetechnik des 14. und 15. Jahrhunderts, bei der sehr kleine Vielecke aus Holz, Bein oder Elfenbein zu geometrischen Mustern gefügt werden. Der Name wird mit der Kartause von Pavia in Verbindung gebracht, der Certosa. Die Technik ist ein früher Vorläufer geometrischer Intarsia.

Was ist der Unterschied zwischen historischer und heutiger Intarsia?

Das Prinzip ist geblieben: Ein Muster oder Bild wird aus verschiedenfarbigen Hölzern zusammengesetzt. Geändert haben sich Werkzeug und Aufbau. Früher wurde mit Messer und Säge geschnitten und oft in Massivholz eingelegt, heute entstehen die meisten Intarsien aus Furnier auf einem stabilen Träger, und neben dem Messer schneidet häufig ein Laser.