Finishing
Finish reparieren
Eine Oberfläche nutzt sich ab, bekommt Kratzer oder einen Wasserfleck. Wie man sie repariert, hängt vor allem davon ab, welches Finish sie trägt: Hartwachsöl lässt sich örtlich ausbessern, Lack meist nur flächig, Schellack fast nahtlos. Diese Seite zeigt, wie man das Finish erkennt, welche Reparatur zu welchem Schaden passt und wo auf Furnier die Grenze liegt.
Erst das Finish erkennen
Jede Reparatur beginnt mit der Frage, was auf dem Holz liegt. Ein falsches Mittel kann mehr Schaden anrichten als der Kratzer selbst: Öl auf Lack haftet nicht, und Spiritus löst Schellack an. Wer das Stück selbst gebaut hat oder den Hersteller kennt, fragt nach. Sonst helfen drei einfache Proben, jeweils an einer verdeckten Stelle:
- Wassertropfen: Perlt er ab, schützt noch ein Lack, Wachs oder Hartwachsöl. Zieht er ein und dunkelt das Holz, ist das Finish an dieser Stelle abgenutzt oder fehlt.
- Spiritus: Ein Tupfer mit Spiritus macht Schellack nach kurzer Zeit weich und klebrig. Öl, Hartwachsöl und die meisten Lacke bleiben unverändert.
- Streiflicht: Ein Lackfilm glänzt gleichmäßig über Fugen und Poren hinweg. Geölte Flächen lassen die Poren offen und reflektieren je nach Holzart unterschiedlich.
Vor jeder Reparatur wird die Fläche gereinigt. Vieles, was nach Schaden aussieht, ist Schmutz oder Fett von den Händen und verschwindet mit einem leicht feuchten Tuch.
Hartwachsöl ausbessern
Hartwachsöl ist am einfachsten zu reparieren, weil es keinen geschlossenen Film bildet. Neues Öl verbindet sich mit dem alten, und die Ränder einer Ausbesserung verlaufen. Drei Stufen, je nach Schaden:
- Stumpf oder leicht gezeichnet: reinigen, trocknen lassen, eine sehr dünne Schicht desselben Hartwachsöls mit einem Tuch oder Pad auftragen und den Überschuss nach der Angabe des Herstellers abnehmen. Zu viel Öl bleibt klebrig und glänzt fleckig.
- Kratzer im Finish oder Wasserfleck an der Oberfläche: die Stelle mit feinem Schleifvlies oder feinem Papier leicht anschleifen, etwas über den Schaden hinaus, entstauben und dünn nachölen. Nach dem Trocknen eine zweite dünne Schicht, wenn die Stelle noch matter wirkt als ihre Umgebung.
- Ganze Fläche abgenutzt: die ganze Seite fein schleifen, bis Kratzer und Flecken verschwunden sind, und neu aufbauen wie beim ersten Mal. Bei Reihax sind das zwei dünne Schichten Hartwachsöl in seidenmatter Ausführung mit einem Zwischenschliff aus feinem Schleifvlies. So ist in der Reihax-Werkstatt auch schon eine ganze Seite eines fertigen Stücks erneuert worden.
Wichtig ist, dasselbe Produkt in demselben Glanzgrad zu verwenden. Ein anderes Öl oder ein anderer Glanzgrad bleibt als Fleck sichtbar, auch wenn die Reparatur sonst gelungen ist. Ist das Produkt unbekannt, wird zuerst an einer verdeckten Stelle geprüft.
Wasserflecken und Ringe
Wasserflecken gibt es in zwei Arten, und sie werden ganz unterschiedlich behandelt:
- Heller, milchiger Ring: Feuchtigkeit ist im Finish selbst gefangen, typisch bei Wachs, Lack und Schellack. Oft hilft vorsichtiges Polieren oder sanfte Wärme, etwa ein Föhn auf niedriger Stufe, damit die Feuchtigkeit entweicht. Bei Hartwachsöl wird die Stelle wie ein Kratzer behandelt: anschleifen und nachölen.
- Dunkler Fleck: Das Wasser ist ins Holz eingezogen. Bei gerbstoffreichen Hölzern wie Eiche reagiert es zusammen mit Eisen, etwa von einem Glas auf einem Metalluntersetzer, sogar schwarz. Solche Flecken sitzen im Holz und lassen sich nur durch Abschleifen oder Holzbleiche entfernen.
Auf Furnier ist der dunkle Fleck der schwierigere Fall. Abschleifen geht nur so weit, wie die Furnierstärke reicht, und Holzbleiche hellt auch das umliegende Holz auf. Manchmal ist es besser, den Fleck zu lassen oder das betroffene Feld zu ersetzen (Fehler beheben).
Lack ausbessern
Ein Lack bildet einen Film, und ein Kratzer darin ist eine Kerbe im Film. Örtlich lässt sie sich selten unsichtbar schließen, weil die Ränder der Ausbesserung im Glanz zu sehen bleiben. Feine Kratzer verschwinden manchmal mit Polierpaste. Sonst wird die ganze betroffene Fläche bis zu einer Kante oder Fuge fein angeschliffen, entstaubt und neu lackiert, mit demselben Lack und Glanzgrad. Auf Furnier wird dabei nur der Lack angeschliffen, nicht das Holz, und an Kanten kaum Druck gegeben (Lackieren).
Schellack ausbessern
Schellack ist das Gegenstück zum Lack: Neuer Schellack löst den alten an und verbindet sich mit ihm. Kratzer und abgenutzte Stellen lassen sich deshalb fast nahtlos ausbessern, indem man dünn neuen Schellack aufträgt und verlaufen lässt. Dafür ist Schellack empfindlich: Wasser, Alkohol und Wärme hinterlassen schnell helle Ringe, die man ebenfalls wegpolieren oder überarbeiten kann.
Die Grenze auf Furnier
Massivholz verzeiht fast jede Reparatur, weil unter der beschädigten Schicht mehr Holz liegt. Furnier ist nur Bruchteile eines Millimeters stark, und nach dem ersten Schliff ist davon weniger übrig. Jede Reparatur, die schleift, kostet Stärke, und an Kanten und Ecken ist die Grenze am schnellsten erreicht.
Foto: Reihax
- Nur das Finish anschleifen, nicht das Holz, solange der Schaden im Finish sitzt.
- Mit feinem Schleifvlies oder feinem Papier arbeiten, nie mit grobem Korn.
- An Kanten kaum Druck, die Kante selbst zuletzt und von Hand.
- Ist das Furnier selbst beschädigt oder durchgeschliffen, erst das Holz reparieren, dann das Finish.
Foto: Reihax
Pflege von Reihax-Stücken
Reihax-Stücke, die Stifteboxen ebenso wie die Wandbilder, brauchen im normalen Gebrauch keine Nachbehandlung. Trockenes Abstauben mit einem weichen Tuch genügt; Nachölen ist nicht nötig. Reinigungsmittel, nasse Tücher und Möbelpolituren sind unnötig und können der Oberfläche schaden. Wie Holzobjekte sonst gepflegt und platziert werden, steht unter Pflege handgemachter Holzobjekte und UV-Licht und Alterung.
Checkliste vor einer Reparatur
- Finish bestimmt: beim Hersteller nachgefragt oder an verdeckter Stelle geprüft
- Fläche gereinigt; geprüft, ob der Schaden nicht nur Schmutz ist
- Schaden eingeordnet: im Finish oder im Holz
- Dasselbe Produkt im selben Glanzgrad zur Hand
- Feines Schleifmittel, kein grobes Korn, an Kanten kaum Druck
- Dünn auftragen, Überschuss abnehmen, Trockenzeit einhalten
- Ergebnis im Streiflicht neben der unbeschädigten Fläche geprüft
Weiterführende Fachseiten
Finish reparieren verbindet Oberflächenkunde, Schleifen und Pflege:
Häufige Fragen
Wie repariert man Kratzer in Hartwachsöl?
Leichte Kratzer und stumpfe Stellen werden gereinigt und dünn mit demselben Hartwachsöl nachbehandelt, der Überschuss wird abgenommen. Tiefere Kratzer schleift man örtlich mit feinem Schleifvlies oder feinem Papier an und ölt die Stelle neu. Weil Hartwachsöl keinen Film bildet, verlaufen die Ränder der Reparatur meist unsichtbar.
Wie bekommt man einen Wasserfleck aus Holz?
Ein heller, milchiger Ring sitzt meist im Finish selbst, etwa in Wachs, Lack oder Schellack, und lässt sich oft durch vorsichtiges Polieren oder sanfte Wärme entfernen. Ein dunkler Fleck ist ins Holz eingezogen; bei Eiche reagiert Wasser zusammen mit Eisen sogar schwarz. Er lässt sich nur durch Abschleifen oder Holzbleiche entfernen, und auf Furnier nur so weit, wie die Stärke reicht.
Muss man Reihax-Stücke nachölen?
Nein. Im normalen Gebrauch auf dem Schreibtisch oder an der Wand genügt trockenes Abstauben mit einem weichen Tuch. Die Oberfläche ist mit Hartwachsöl in seidenmatter Ausführung behandelt und braucht keine regelmäßige Nachbehandlung.
Kann man ein lackiertes Holzobjekt ausbessern?
Nur begrenzt. Ein Kratzer im Lackfilm lässt sich selten örtlich unsichtbar schließen, weil die Ränder der Ausbesserung im Glanz sichtbar bleiben. Meist wird die ganze betroffene Fläche fein angeschliffen und neu lackiert. Auf Furnier ist dabei Vorsicht an den Kanten nötig.