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Werkstatt

Fehler beheben

Fehler passieren, auch bei sorgfältiger Arbeit. Ob sie sich beheben lassen, hängt vor allem davon ab, wann sie entdeckt werden. Diese Seite zeigt, wie offene Fugen, Blasen, Ausrisse, durchgeschliffene Stellen und Leimflecken repariert werden, und woran man erkennt, dass ein Neuanfang die bessere Reparatur ist.

Je später ein Fehler auffällt, desto weniger Reparaturen bleiben und desto mehr kosten sie. Vor dem Pressen ist fast alles umkehrbar.

Erst einordnen, dann reparieren

Bevor repariert wird, stellen sich zwei Fragen. Die erste: In welchem Stadium ist das Stück? Vor dem Pressen liegt jedes Teil noch lose, und fast jeder Fehler lässt sich durch Neuschneiden oder Tauschen beheben. Nach dem Pressen sitzt jedes Teil fest, und jede Reparatur kostet Furnierstärke, Zeit oder beides. Nach dem Finish kommt noch die Oberfläche hinzu, die bei jeder Reparatur mit erneuert werden muss.

Die zweite Frage: Woher kommt der Fehler? Ein Fehler, der in einem einzelnen Teil sitzt, lässt sich an diesem Teil beheben. Ein Fehler, der aus dem Entwurf, der Schablone oder dem Träger kommt, steckt dagegen im ganzen Stück und oft in jedem Stück einer Charge (Schablonenarbeit). Ihn an der Oberfläche zu reparieren, behandelt nur das Symptom. Wie man Fehler gar nicht erst entstehen lässt, beschreibt die Seite Intarsia-Fehler vermeiden; wie man sie früh findet, Intarsia-Qualität prüfen.

Offene Fugen

Eine offene Fuge ist ein Spalt zwischen zwei Teilen, durch den man den Leim oder den Träger sieht. Bei hohem Kontrast, etwa zwischen Wenge und Esche, fällt schon ein Spalt auf, der kaum breiter ist als ein Haar.

  • Vor dem Pressen: Das Teil wird neu geschnitten oder durch ein passenderes ersetzt. Das ist die einzige Reparatur, die keine Spur hinterlässt.
  • Nach dem Pressen, schmaler Spalt: Ein dünner Span aus demselben Furnier, möglichst aus demselben Bogen, wird mit wenig Leim in die Fuge gedrückt, nach dem Abbinden bündig geschnitten und mit dem nächsten Schliff eingeebnet. Seine Faser läuft wie die des Teils, zu dem er gehört.
  • Nach dem Pressen, breiter Spalt: Eines der beiden Teile wird ausgeschnitten und ersetzt, wie bei einer durchgeschliffenen Stelle.

Kitt aus Schleifstaub und Leim ist eine verbreitete Notlösung, aber selten eine gute. Der Leim bindet den Staub dichter, als das Holz gewachsen ist, und unter dem Finish wird die Fuge fast immer dunkler als ihre Umgebung. In einer hellen Fläche ist das eine sichtbare Linie, in einer dunklen manchmal vertretbar.

Gepresste Fugen vor dem Schleifen. Hier zeigt sich, ob eine Fuge geschlossen ist; der Schliff macht einen Spalt nicht kleiner.

Foto: Reihax

Blasen und gelöste Stellen

Wo beim Pressen zu wenig Leim oder zu wenig Druck war, hält das Furnier nicht am Träger. Solche Hohlstellen zeigen sich als leichte Wölbung im Streiflicht, beim Schleifen als Stelle, die nachgibt, und beim Abklopfen mit dem Fingernagel durch einen hohlen, helleren Klang. Sie sollten vor dem Finish gefunden werden, denn ein Finish auf einer Blase schließt den Fehler nur ein.

Eine Hohlstelle reparieren: in Faserrichtung aufschneiden, wenig Leim einbringen, mit Zulage und Trennfolie pressen, bis der Leim abgebunden hat.
  1. Öffnen: Mit einem Skalpell wird die Blase in Faserrichtung aufgeschnitten. Ein Schnitt mit der Faser verschwindet später in der Zeichnung des Holzes; ein Schnitt quer dazu bleibt sichtbar.
  2. Leim einbringen: Mit einer Spritze oder einer dünnen Klinge wird wenig Leim unter das Furnier gebracht und durch leichtes Drücken verteilt. Was austritt, wird sofort abgewischt.
  3. Pressen: Trennfolie oder Backpapier auf die Stelle, darüber eine plane Zulage, dann Druck mit Zwingen oder Gewicht, bis der Leim abgebunden hat. Erst danach wird geschliffen.

Eine gelöste Kante, etwa am Rand einer Fläche oder an der Ecke eines Korpus, wird genauso behandelt: Leim mit einer dünnen Klinge unter die Kante bringen und pressen. Mit manchen Leimen lässt sich eine Hohlstelle auch durch Wärme wieder anlegen, etwa mit einem Bügeleisen durch ein Stück Papier. Ob das funktioniert, hängt vom Leim ab, und Wärme kann benachbarte Bereiche ebenfalls lösen. Welcher Leim wie reagiert, steht unter Klebstoffe für Furnier und Intarsia.

Ausrisse und Kantenschäden

Ausrisse entstehen beim Schneiden, wenn die Klinge Fasern herausreißt statt sie zu trennen, oder beim Schleifen, wenn ein spitzes Teil an der Kante hängen bleibt. Spröde, grobfaserige Hölzer wie Wenge sind dafür besonders anfällig.

Ein echter Fehler aus der Reihax-Werkstatt: Ausrisse und Kratzer in der Wenge-Fläche von Flow Nr. 2, vor dem Schleifen. Erst der Schliff zeigt, wie tief sie sitzen.

Foto: Reihax

  • Der Splitter ist noch da: Er wird mit einem Tropfen Leim zurückgelegt und kurz angedrückt. Das ist die beste Reparatur, weil Farbe und Faser von selbst stimmen.
  • Flacher Ausriss: Wenn er nicht tiefer als die Schleifzugabe ist, verschwindet er beim Schleifen. Ob das so ist, zeigt erst der Schliff; die Furnierstärke darf dafür aber nicht geopfert werden.
  • Tiefer Ausriss: Ein kleiner Flicken aus demselben Holz wird eingesetzt, mit der Faser ausgerichtet. In einem Muster wird besser das ganze Teil ersetzt als ein Flicken mitten in eine Fläche gesetzt.
  • Beschädigte Kante am Korpus: Eine angestoßene Furnierkante wird nachgeleimt, wenn das Furnier noch da ist, oder mit einem schmalen Streifen desselben Holzes ersetzt.

Durchgeschliffene Stellen

Furnier ist dünn, und an Kanten, Ecken und Stellen, die beim Pressen etwas höher lagen, ist es schnell durchgeschliffen. Darunter erscheint der Träger oder die Leimfuge. Weiteres Schleifen macht es nur schlimmer, und Farbe oder Beize kaschieren es selten überzeugend.

Die saubere Reparatur in der Intarsia ist der Austausch eines ganzen Feldes. Das Muster gibt die Schnittlinien vor: Das betroffene Teil wird mit einem scharfen Messer entlang seiner Fugen ausgeschnitten, der alte Leim vorsichtig vom Träger entfernt und ein neues Teil aus demselben Holz eingepasst. Weil die Fläche um das Teil herum schon geschliffen ist, steht das neue Teil zunächst über und wird vorsichtig auf ihre Höhe gebracht. Das ist Feinarbeit, aber das Ergebnis ist ein Feld wie jedes andere. Wie man es vermeidet, steht unter Furnier schleifen.

Leimflecken und Staub in den Poren

Leim, der beim Pressen durch Fugen oder Poren nach oben gedrückt wurde, ist auf dem rohen Holz kaum zu sehen. Unter Öl oder Lack bleibt er als heller, matter Fleck stehen, weil das Finish dort nicht einzieht. Sichtbar wird er vorher, wenn man die Fläche mit einem feuchten Tuch oder etwas Spiritus abwischt: Wo Leim sitzt, wird das Holz nicht dunkler.

  • Leim auf der Fläche: mit einer Ziehklinge oder einem scharfen Stecheisen abziehen und dann schleifen. Schleifen allein schmiert den Leim oft nur weiter.
  • Dunkler Staub in hellen Poren: Schleifstaub von Wenge oder Nussbaum, der in Esche oder Eiche gerieben wurde, sitzt tief. Er lässt sich nur durch Abtragen entfernen, und nur so weit, wie das Furnier es erlaubt. Darum wird zwischen den Schleifstufen der Staub entfernt.

Fehler, die erst das Finish zeigt

Das Finish verstärkt alles, was die Oberfläche vorher hatte: Kratzer, Schleifriefen, Leimflecken und Höhenunterschiede an Fugen. Deshalb ist die Prüfung nach dem letzten Schliff die wichtigste. Was danach noch auffällt, wird je nach Finish behandelt: Eine geölte Fläche lässt sich örtlich nachschleifen und neu ölen, eine lackierte oder mit Schellack aufgebaute Fläche muss meist an der ganzen Seite neu aufgebaut werden. Welche Oberfläche sich wie ausbessern lässt, steht unter Finish reparieren, Finish für Furnier und Öl, Wachs und Schellack.

Flow Nr. 2 nach dem letzten Schliff: der richtige Moment, Fugen, Kanten und Flächen im Streiflicht zu prüfen, bevor das Finish jeden Fehler festhält.

Foto: Reihax

Wann neu anfangen besser ist

Eine Reparatur lohnt sich, wenn sie kleiner ist als der Fehler und unsichtbarer als er. Ein Neuanfang ist die bessere Wahl, wenn:

  • der Fehler aus dem Entwurf, der Schablone oder der Datei kommt und deshalb überall steckt,
  • der Träger verzogen ist oder sich großflächig vom Furnier löst,
  • mehrere Fehler an einem Stück zusammenkommen, die jeder für sich reparierbar wären,
  • die Reparatur selbst als Fleck, Linie oder Farbunterschied sichtbar bliebe.

In einer Kleinserie fällt diese Entscheidung oft leichter, weil Material, Datei und Vorbereitung für ein weiteres Stück schon da sind. Und ein verworfenes Stück ist nicht verloren: Es zeigt, an welchem Schritt der Fehler entstanden ist, und damit, wo beim nächsten Mal genauer geprüft wird.

Checkliste vor jeder Reparatur

  • Stadium bestimmt: vor dem Pressen, nach dem Pressen, nach dem Schleifen oder nach dem Finish
  • Ursache gefunden: einzelnes Teil oder Entwurf, Schablone, Träger
  • Reparaturmaterial aus demselben Holz, möglichst aus demselben Bogen, Faser ausgerichtet
  • Restliche Furnierstärke geprüft, bevor geschliffen wird
  • Leim sparsam, Austritt sofort entfernt, mit Zulage und Trennfolie gepresst
  • Fläche nach der Reparatur angefeuchtet und im Streiflicht geprüft
  • Ehrlich entschieden: Ist die Reparatur unsichtbarer als der Fehler?

Häufige Fragen

Wie repariert man eine offene Fuge in der Intarsia?

Vor dem Pressen wird das Teil neu geschnitten oder getauscht. Nach dem Pressen lässt sich ein schmaler Spalt mit einem dünnen Span aus demselben Furnier schließen, der mit Leim eingesetzt und bündig geschliffen wird. Kitt aus Schleifstaub und Leim ist nur eine Notlösung, weil er fast immer dunkler wird als das Holz.

Was tun, wenn sich Furnier vom Träger löst?

Eine Blase wird mit einem feinen Schnitt in Faserrichtung geöffnet, mit einer Spritze oder einer dünnen Klinge wird wenig Leim darunter gebracht, und die Stelle wird mit einer planen Zulage und Trennfolie gepresst, bis der Leim abgebunden hat. Eine gelöste Kante wird genauso nachgeleimt.

Kann man durchgeschliffenes Furnier reparieren?

Nicht unsichtbar durch weiteres Schleifen, weil darunter der Träger liegt. Die übliche Reparatur ist, das betroffene Feld entlang seiner Fugen auszuschneiden und ein neues Teil aus demselben Holz einzusetzen. In der Intarsia hilft dabei, dass die Fugen des Musters die Schnittlinien schon vorgeben.

Wann ist ein Neuanfang besser als eine Reparatur?

Wenn der Fehler im Entwurf, in der Schablone oder im Träger liegt, wenn er große Flächen betrifft oder wenn die Reparatur selbst sichtbar bliebe. Ein Stück, das aus vielen Reparaturen besteht, wird selten so ruhig und genau wie eines, das neu gebaut wird.