Materialwissen
Furnierqualität bewerten
Ein Fehler im Furnier lässt sich vor dem ersten Schnitt in fünf Minuten finden und nach dem Pressen nicht mehr beheben. Diese Seite zeigt, worauf man bei einem Furnierbogen achtet: Stärke, Risse, Äste, Planheit, Farbe, Maserung und die Seite, die das Messer hinterlassen hat.
Warum vor dem Schnitt geprüft wird
Furnier ist ein Naturprodukt. Jeder Bogen hat seine eigene Farbe, Zeichnung und Geschichte, und nicht jede Eigenschaft ist auf den ersten Blick zu sehen. In der Intarsia kommt hinzu, dass viele kleine Teile aus einem Bogen geschnitten werden. Ein Riss, ein loser Ast oder eine dünnere Stelle landet dann in genau einem Teil, und dieses Teil entscheidet über das ganze Stück.
Deshalb wird jeder Bogen geprüft, bevor das erste Teil geschnitten wird. Das kostet wenige Minuten. Ein Fehler, der erst nach dem Pressen sichtbar wird, lässt sich dagegen kaum noch beheben, weil das Teil fest auf dem Träger sitzt.
Prüfen im richtigen Licht
Zwei Lichtarten zeigen unterschiedliche Fehler. Streiflicht, also eine Lampe, die flach über den Bogen leuchtet, macht Wellen, Beulen, Messerspuren und Oberflächenrisse als Schatten sichtbar. Gegenlicht, wenn man den Bogen vor ein Fenster oder eine Lampe hält, zeigt Risse und Löcher, die durch die ganze Stärke gehen: Dort scheint Licht durch.
Farbe wird dagegen bei gleichmäßigem, neutralem Licht beurteilt, am besten unter dem Licht, unter dem das fertige Stück später gesehen wird. Wie das Streiflicht auch am fertigen Werkstück hilft, beschreibt die Seite Intarsia-Qualität prüfen.
Stärke und Gleichmäßigkeit
Die Nennstärke auf dem Etikett ist ein Richtwert. Gemessen wird mit einem Messschieber an mehreren Stellen, mindestens an allen vier Ecken eines Bogens. Ein Bogen, der an einer Seite deutlich dünner ist als an der anderen, wurde ungleichmäßig gemessert oder hat sich beim Trocknen verzogen.
Für die Intarsia ist der Vergleich zwischen den Hölzern wichtiger als die absolute Zahl. Liegen zwei Holzarten nebeneinander, sollten sie gleich stark sein. Schon 0,2 Millimeter Unterschied ergeben nach dem Pressen eine Stufe, die beim Schleifen abgetragen werden muss und Schärfe kostet. Welche Stärken üblich sind und wofür, steht unter Furniersorten und Lieferformen.
Risse, Löcher und Äste
Endrisse sitzen an den kurzen Enden eines Bogens, wo das Holz beim Trocknen am schnellsten Feuchtigkeit verliert. Sie laufen in Faserrichtung und können beim Schneiden weiterreißen. Meist schneidet man das Ende mit Abstand ab, statt Teile daraus zu nehmen. Bei rissempfindlichen Hölzern wie Wenge lohnt es sich, auch die Längskanten genau anzusehen.
Äste sind kein Fehler an sich. Ein gesunder, fest verwachsener Ast ist Teil des Holzes und kann ein Stück lebendig machen. Ein loser oder schwarz umrandeter Ast dagegen bricht beim Schneiden oder Schleifen leicht heraus. In der Intarsia kann man einen gesunden Ast gezielt in ein Teil legen oder um einen schlechten herum schneiden.
Foto: Reihax
Löcher, etwa von ausgefallenen Ästen oder Insekten, zeigen sich im Gegenlicht. Sie sind nur dann unproblematisch, wenn man sie beim Zuschnitt sicher umgehen kann.
Planheit und Welligkeit
Ein guter Bogen liegt flach auf dem Tisch. Wellige Bögen entstehen durch ungleichmäßiges Trocknen, durch Lagerung in Rollenform oder ohne Gewicht und durch Holz mit unruhigem Faserverlauf, etwa Maserknollen oder stark gefladertes Furnier. Leichte Wellen lassen sich oft beheben: Der Bogen wird leicht angefeuchtet und zwischen sauberen Platten unter Gewicht getrocknet.
Starke Welligkeit ist ein Warnsignal. Ein Teil, das beim Schneiden nicht plan liegt, verrutscht unter dem Messer, und eine Fläche, die vor dem Pressen nicht plan war, neigt später zu Spannungen. Wie Furnier richtig gelagert wird, damit es gar nicht erst wellig wird, beschreibt die Seite Furnier lagern.
Farbe, Splint und Flecken
Innerhalb einer Holzart schwankt die Farbe immer etwas. Kritisch wird es, wenn Teile derselben Holzart nebeneinander liegen und eines deutlich heller oder dunkler wirkt. Daher werden alle Bögen, die in einem Stück verwendet werden sollen, vorher nebeneinandergelegt und verglichen.
- Splint: Viele dunkle Hölzer haben einen hellen Splint am Rand des Stammes. Bei Nussbaum ist er deutlich heller als das Kernholz. Ein Bogen mit Splintkante liefert zwei Farben, nicht eine.
- Flecken: Wasser- und Stockflecken entstehen durch feuchte Lagerung. Sie liegen oft tiefer als die Oberfläche und lassen sich nicht wegschleifen.
- Lichtschäden: Der oberste Bogen eines Stapels, der lange im Licht lag, ist an der Oberfläche ausgeblichen oder nachgedunkelt. Unterschiede zu den Bögen darunter zeigen sich erst nach dem Schleifen.
Maserung und Faserverlauf
Für kleine Felder und gerade Kanten ist ein ruhiger, gerader Faserverlauf am berechenbarsten: Das Messer folgt der Faser, und das Licht wird über die Fläche gleichmäßig zurückgeworfen. Stark bewegte Maserung, Wechseldrehwuchs oder Wirbel sind schön, verlangen aber mehr Sorgfalt beim Schneiden und Schleifen, weil die Fasern in wechselnde Richtungen laufen.
Foto: Reihax
Wichtig ist auch, wie die Maserung zur geplanten Form passt. Ein Bogen kann fehlerfrei sein und trotzdem für ein bestimmtes Teil ungeeignet, weil seine Zeichnung quer zur gewünschten Richtung läuft (Maserungsrichtung). Wie die Schnittart die Zeichnung bestimmt, erklärt die Seite Furnierarten und Schnitte.
Foto: Reihax
Offene und geschlossene Seite
Gemessertes Furnier hat zwei unterschiedliche Seiten. Beim Messern biegt sich das Blatt über die Klinge; die Seite, die dabei gestreckt wird, bekommt feine Risse quer zur Faser. Das ist die offene Seite. Die andere, die geschlossene Seite, bleibt glatter.
Man erkennt den Unterschied, wenn man den Bogen vorsichtig in beide Richtungen biegt: Wölbt sich die offene Seite nach außen, werden die feinen Risse sichtbar. Im Streiflicht wirkt sie außerdem rauer. Für die Sichtseite wird in der Regel die geschlossene Seite gewählt, weil sie sich ruhiger schleift und das Finish gleichmäßiger annimmt. Bei gestürzten oder buchgespiegelten Bildern wechselt die Seite von Blatt zu Blatt, was man beim Planen berücksichtigen muss.
Restposten und Furnier unbekannter Herkunft
Nicht jedes Furnier kommt mit Etikett. Restposten aus Werkstattauflösungen, Nachlässen oder Lagerverkäufen sind oft günstig und manchmal hervorragend, aber Holzart, Alter und Lagerung sind unklar. Gerade für Intarsia, die mit kleinen Teilen arbeitet, lohnt sich ein solcher Posten häufig, wenn man ihn gründlich prüft:
- Holzart am Holz selbst einschätzen: Farbe, Poren, Gewicht, Geruch beim Schleifen. Handelsnamen helfen nur bedingt.
- Stärke an mehreren Bögen messen; Posten sind selten einheitlich.
- Auf Flecken, Lichtschäden und spröde, brüchige Kanten achten, die auf zu trockene oder feuchte Lagerung hinweisen.
- Ein Probeteil schneiden und ein Probestück mit Finish anlegen, bevor der Posten in ein echtes Stück geht.
Das Mahagoni von Reihax ist so ein Fall: Es stammt aus der Auflösung einer Werkstatt und wurde ohne botanische Angabe als Mahagoni verkauft. Was über dieses Holz gesagt werden kann, beruht deshalb auf dem, was das Furnier selbst zeigt (Mahagoni).
Checkliste vor dem ersten Schnitt
- Stärke an vier Punkten gemessen, alle Hölzer eines Stücks gleich stark
- Im Gegenlicht keine durchgehenden Risse oder Löcher in den Bereichen, die verwendet werden
- Endrisse markiert und großzügig abgeschnitten
- Äste gesund oder bewusst umgangen
- Bogen liegt plan oder wurde geglättet
- Farbe aller Bögen einer Holzart nebeneinander verglichen, Splint erkannt
- Geschlossene Seite für die Sichtseite markiert
- Maserungsrichtung für jedes Teil geplant
Weiterführende Fachseiten
Furnierqualität verbindet Materialkunde, Einkauf und die ersten Werkstattschritte:
- Symmetrie und Spiegelung
- Furnier lagern
- Furniersorten und Lieferformen
- Furnierarten und Schnitte
- Was ist Furnier?
- Furnierklebeband
- Holzarten für Intarsia
- Mahagoni: ein Handelsname und ein Restposten
- Furnier schneiden und fügen
- Intarsia-Qualität prüfen
- Maserungsrichtung in der Intarsia
- Intarsia-Fehler vermeiden
Häufige Fragen
Wie prüft man die Stärke eines Furniers?
Mit einem Messschieber an mehreren Stellen des Bogens, mindestens an allen vier Ecken, nicht nur an einer Kante. Wichtig ist weniger die Nennstärke als der Unterschied zwischen den Hölzern, die nebeneinander liegen sollen: Schon 0,2 Millimeter Differenz ergeben nach dem Pressen eine Stufe, die beim Schleifen abgetragen werden muss.
Ist ein Ast im Furnier ein Fehler?
Nicht unbedingt. Ein gesunder, fest verwachsener Ast ist Teil des Holzes und kann einem Stück Charakter geben. Ein loser oder ausgefallener Ast ist dagegen ein Loch mit Ansage: Er bricht beim Schneiden oder Schleifen heraus. In der Intarsia kann man einen Ast gezielt in ein Teil legen oder um ihn herum schneiden.
Was ist die offene und die geschlossene Seite eines Furniers?
Beim Messern biegt sich das Furnier über das Messer. Auf der Seite, die dabei gestreckt wird, entstehen feine Risse quer zur Faser, die sogenannte offene Seite. Die andere Seite bleibt geschlossen und glatter. Für die Sichtseite wählt man in der Regel die geschlossene Seite, weil sie sich ruhiger schleift und gleichmäßiger Finish annimmt.
Lohnt sich Furnier aus einem Restposten?
Oft ja, besonders für Intarsia, die mit kleinen Teilen arbeitet. Man muss den Posten aber selbst prüfen, weil Herkunft und Lagerung meist unklar sind: Holzart, Stärke, Trockenheit, Risse, Flecken und Lichtschäden. Ein Probeschnitt und ein Probestück mit Finish zeigen, ob das Material hält, was es verspricht.