Materialwissen
Furnier lagern
Furnier ist so dünn, dass es auf jede Veränderung im Raum schnell reagiert. Wie es liegt, entscheidet darüber, ob ein Bogen nach Monaten noch plan, rissfrei und farbtreu ist. Diese Seite zeigt, wie Furnierbögen und Reste gelagert, akklimatisiert und beschriftet werden.
Warum Furnier empfindlich lagert
Holz ist hygroskopisch: Es nimmt Feuchtigkeit aus der Luft auf und gibt sie wieder ab, und dabei quillt und schwindet es. Ein massives Brett braucht dafür Wochen. Ein Furnier von 0,6 Millimetern hat im Verhältnis zu seinem Volumen eine riesige Oberfläche und reagiert deshalb innerhalb von Stunden bis Tagen. Was die Luft im Raum tut, tut das Furnier mit.
Schlechte Lagerung zeigt sich auf fünf Arten: Der Bogen wird wellig, er reißt an den Enden, er wird spröde, er bekommt Wasser- oder Stockflecken, oder seine Oberfläche verfärbt sich im Licht. Alle fünf lassen sich bei der Prüfung eines Bogens erkennen, aber nur die Welligkeit lässt sich danach noch einigermaßen beheben.
Flach und beschwert
Furnier liegt flach. Die Unterlage ist eine ebene Platte, etwa aus MDF oder Multiplex, die an allen Seiten etwas größer ist als die Bögen. Ragt ein Bogen über die Kante, hängt das Ende durch und behält diese Biegung. Darüber kommt eine zweite Platte und auf sie ein Gewicht, das sich über die ganze Fläche verteilt: lieber mehrere mittlere Gewichte als ein schweres in der Mitte, das den Stapel an den Rändern frei lässt.
- Bundreihenfolge: Bögen aus demselben Bund bleiben in der Reihenfolge, in der sie vom Stamm kommen. Nur so lassen sich später gestürzte oder gespiegelte Bilder legen, deren Zeichnung zusammenpasst (Furnierarten und Schnitte).
- Nicht gerollt, nicht hochkant: Gerolltes Furnier behält die Krümmung. Hochkant gelehnte Bögen biegen sich unter dem eigenen Gewicht.
- Lange Bögen: Regalböden müssen so tief sein wie die Bögen lang sind. Wenn das nicht geht, werden lange Bögen besser in handliche Längen geteilt, als dass sie über die Kante hängen.
Ist ein Bogen doch wellig geworden, lässt er sich meist retten: leicht anfeuchten, zwischen saubere Papierlagen und Platten legen und unter Gewicht langsam trocknen lassen. Das Papier wird dabei einige Male gewechselt, bis der Bogen trocken ist.
Raumklima und Luftfeuchte
Ein guter Lagerort hat eine gleichmäßige Temperatur und eine Luftfeuchte von etwa 40 bis 60 Prozent. Wichtiger als der genaue Wert ist, dass er stabil bleibt. Bei rund 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchte pendelt sich Holz bei etwa 9 Prozent Holzfeuchte ein, einem typischen Wert für beheizte Innenräume. Ein einfaches Hygrometer im Lagerraum zeigt, wie stark die Luftfeuchte über das Jahr schwankt.
- Zu trocken, etwa direkt an der Heizung oder im Winter in sehr warmen Räumen: Das Furnier wird spröde, reißt an den Enden und bricht beim Schneiden an spitzen Winkeln.
- Zu feucht, etwa in Keller, Garage oder an einer kalten Außenwand: Es kommt zu Stockflecken und Schimmel, und das Furnier quillt.
- Schwankend, etwa in einer ungeheizten Werkstatt mit warmen Tagen und kalten Nächten: Im Stapel kann sich Kondenswasser bilden. In solchen Räumen hält ein geschlossener Schrank oder eine Lagerkiste das Klima ruhiger als das offene Regal.
Den Stapel abzudecken ist sinnvoll, ihn luftdicht in Folie einzuschlagen dagegen nur, wenn das Furnier bereits trocken ist. Ist es noch zu feucht, bleibt die Feuchtigkeit in der Folie gefangen, und es kann schimmeln. Karton, Packpapier oder eine Abdeckplatte schützen vor Licht und Staub, ohne den Stapel abzudichten.
Neue Bögen akklimatisieren
Neues Furnier hat das Klima des Lagers, aus dem es kommt. Bevor es verarbeitet wird, braucht es Zeit, sich an den eigenen Raum anzupassen: einige Tage bis etwa zwei Wochen, flach und leicht beschwert, in dem Raum, in dem es geschnitten und gepresst wird. Der Träger gehört in denselben Raum, denn Furnier und Träger sollen beim Verleimen dieselbe Holzfeuchte haben. Was passiert, wenn das nicht so ist, beschreibt die Seite Verleimen und Pressen.
Furnier aus Restposten, Nachlässen oder Werkstattauflösungen braucht eher mehr Zeit, weil niemand sagen kann, wie es vorher lag. Das Mahagoni von Reihax stammt aus einer solchen Auflösung: Wo und wie lange es dort gelagert war, ist nicht bekannt. Bei solchem Material gehört das Akklimatisieren zur Prüfung dazu, bevor ein Teil daraus in ein Stück geht.
Schutz vor Licht
Licht verändert Holzfarben, und zwar nicht bei allen Hölzern gleich. Manche dunkeln nach, andere bleichen aus oder vergilben. Bei einem Stapel trifft das nur den obersten Bogen und nur seine Oberseite. Der Unterschied fällt oft erst auf, wenn dieser Bogen neben einem aus der Mitte des Stapels liegt oder wenn die verfärbte Schicht beim Schleifen teilweise abgetragen wird.
Deshalb liegt Furnier abgedeckt und nicht im direkten Sonnenlicht, auch nicht für ein paar Wochen auf der Werkbank am Fenster. Wie sich Licht auf fertige Stücke auswirkt und warum Kontraste dort langsam wandern, steht unter Pflege handgemachter Holzobjekte.
Reste sortieren
In der Intarsia sind Reste kein Abfall. Viele Teile sind kleiner als eine Handfläche, und ein Streifen, der beim Zuschnitt übrig bleibt, reicht oft für ein ganzes Muster. Damit Reste nutzbar bleiben, werden sie genauso flach gelagert wie ganze Bögen und so sortiert, dass man sie wiederfindet.
- Nach Holzart und Stärke: Reste unterschiedlicher Stärke gehören nicht in dasselbe Fach, sonst landet ein dünneres Teil neben einem dickeren und hinterlässt eine Stufe.
- Nach Größe: Flache Kästen oder Mappen für große, mittlere und kleine Reste ersparen das Wühlen, bei dem dünne Stücke brechen.
- Zusammen, was zusammengehört: Reste aus demselben Bogen bleiben beieinander, damit Farbe und Zeichnung später zueinander passen.
- Faserrichtung markieren: Auf größeren Resten zeigt ein Bleistiftpfeil am Rand, wie die Faser läuft, auch wenn die Zeichnung schwach ist (Maserungsrichtung).
- Aussortieren: Stücke, die spröde, fleckig oder kleiner als das kleinste geplante Teil sind, kommen weg. Ein voller Kasten mit unbrauchbaren Resten ist schlechter als ein halbleerer.
Beschriften
Viele Furniere sehen sich roh ähnlicher als nach dem Finish, und die Stärke sieht man gar nicht. Deshalb trägt jeder Stapel und jedes Restefach ein Etikett:
- Holzart: der Handelsname und, wenn bekannt, die botanische Art.
- Stärke: selbst gemessen, nicht nur vom Lieferschein abgeschrieben.
- Herkunft: Lieferant, Bundnummer oder eben „Restposten“.
- Datum: wann das Furnier gekommen ist, damit man weiß, wie lange es schon akklimatisiert.
Ein ehrliches Etikett ist mehr wert als ein vollständiges. Beim Reihax-Mahagoni hieße das: Mahagoni, Werkstattauflösung, Art unbekannt. Ein Etikett, das mehr behauptet, als man weiß, macht es später schwer, eine Farbabweichung zu erklären. Auf den Bögen selbst wird mit weichem Bleistift am Rand geschrieben, nie mit Filzstift, der in die Poren zieht.
Checkliste für das Furnierlager
- Ebene Grundplatte, größer als die Bögen, nichts hängt über die Kante
- Abdeckplatte und Gewicht über die ganze Fläche verteilt
- Bögen aus einem Bund in ihrer Reihenfolge
- Kein direktes Sonnenlicht, keine Heizung, keine kalte Außenwand
- Luftfeuchte stabil bei etwa 40 bis 60 Prozent, mit Hygrometer kontrolliert
- Neue Bögen und Träger einige Tage bis zwei Wochen im Werkstattraum akklimatisiert
- Reste nach Holzart, Stärke und Größe sortiert
- Jeder Stapel beschriftet: Holzart, Stärke, Herkunft, Datum
Weiterführende Fachseiten
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- Holz und Nachhaltigkeit
- UV-Licht und Alterung
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- Was ist Furnier?
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- Holzarten für Intarsia
- Mahagoni: ein Handelsname und ein Restposten
- Furnier schneiden und fügen
- Verleimen und Pressen
- Träger und Untergründe
- Pflege handgemachter Holzobjekte
Häufige Fragen
Wie lagert man Furnier richtig?
Flach auf einer ebenen Platte, die größer ist als die Bögen, mit einer zweiten Platte darüber und einem Gewicht, das sich über die ganze Fläche verteilt. Der Stapel liegt abgedeckt, abseits von Fenstern und Heizung, in einem Raum mit gleichmäßiger Temperatur und Luftfeuchte. Bögen aus einem Bund bleiben in ihrer Reihenfolge.
Welche Luftfeuchtigkeit braucht Furnier?
Ein guter Bereich sind etwa 40 bis 60 Prozent relative Luftfeuchte bei normaler Zimmertemperatur. Wichtiger als der genaue Wert ist, dass er stabil bleibt. Bei rund 20 Grad und 50 Prozent Luftfeuchte pendelt sich Holz bei etwa 9 Prozent Holzfeuchte ein; das ist ein typischer Wert für Innenräume.
Wie lange muss Furnier vor der Verarbeitung akklimatisieren?
Einige Tage bis etwa zwei Wochen, flach und leicht beschwert in dem Raum, in dem es verarbeitet wird. Der Träger gehört in denselben Raum. Furnier aus einem Restposten oder einem kalten Lager braucht eher länger, weil man nicht weiß, wie es vorher lag.
Kann man Furnier aufgerollt lagern?
Für kurze Zeit und beim Transport geht es, als Dauerlösung nicht. Gerolltes Furnier behält die Krümmung, und spröde Hölzer reißen dabei längs. Wer Bögen gerollt bekommt, rollt sie bald aus, glättet sie bei Bedarf leicht angefeuchtet unter Gewicht und lagert sie danach flach.